Keine Revisionsgrenze im Angebot, und trotzdem nie über drei Runden

Ich persönlich berechne keine extra Revisionsrunden und war bisher auch noch nie über drei Revisionen hinaus, meistens ist ein Track nach der zweiten bis dritten Runde abgenommen und bezahlt.
Das sage ich, weil man gerade in jedem englischsprachigen Studio-Blog liest: Zwei, höchstens drei Runden gehören in den Grundpreis, jede weitere kostet extra. Ein Anbieter von einer Feedback-Software hat es diesen Monat so beschrieben, dass unbegrenzte Revisionen einem die Marge schmälern.
Wer im Monat zig Kunden mischt, braucht vielleicht so eine Regel. Nur löst die Zahl im Angebot das eigentliche Problem nicht, sie macht es nur bezahlbar.
Meine Meinung ist, wenn ein Projekt ausufert, liegt das selten am Mix selbst. Entweder wurde vorher nicht klar kommuniziert, was der Kunde eigentlich haben will, oder der Kunde war sich selbst gar nicht einig. Man dreht Runde um Runde an Details, während die eigentliche Frage schon zu Anfang nicht geklärt war.
Deshalb suche ich mit jedem Artist vorab eine klare Linie, damit hinterher keiner enttäuscht ist. Bei Anfängern ist das die meiste Arbeit. Die verstehen oft selbst noch nicht ganz, was sie wollen, und genau da muss man als Producer hartnäckig sein, auch wenn es sich ein bisschen wie Hausaufgaben verteilen anfühlt. Ich frage dann nach Referenzmixen oder nach Arrangements, an denen wir uns festhalten können. Eine Referenz, auf die man sich vor der ersten Version geeinigt hat, ist später der Punkt, an dem man sich wiederfindet, wenn die Wahrnehmung kippt.
Feedback, bei dem man nicht mehr raten muss
Früher kam das Feedback bei mir wie bei allen über WhatsApp oder Telegram rein. Oft so allgemein formuliert, dass man als Producer raten muss, welche Stelle und welches Instrument überhaupt gemeint ist.
Seit meine Artists über CuePort Feedback geben, ist das unkomplizierter geworden, weil die Kommentare direkt an der Stelle in der Wellenform platziert werden, um die es geht. Ganz reibungslos ist es nicht. Manche Artists tun sich noch schwer damit, extra in den Player zu gehen und bewusst an bestimmten Stellen etwas zu schreiben. Mein Eindruck ist aber, dass sie gerade deshalb bewusster hinhören, und die Kommentare klingen nicht mehr so allgemein.
Weniger raten heißt für mich weniger Runden.
Wann es keine Revision mehr ist
Eine echte Grenze habe ich nicht. Einen Fall würde ich aber dennoch anders behandeln: Wenn ein Track schon abgenommen ist und der Artist danach plötzlich ein anderes Instrumental haben möchte. Dies ist niemals mehr eine Revision.
Eine Revision arbeitet an dem, worauf wir uns geeinigt haben, und ein neues Instrumental ist eine neue Idee.
Wie machst du das? Steht bei dir eine Zahl im Angebot, und hast du sie schon mal wirklich überschritten?
Häufige Fragen
Wie viele Revisionen sind bei einem Mix üblich?
Viele Studios nehmen zwei bis drei Revisionsrunden in den Grundpreis und berechnen jede weitere extra. In der Praxis ist ein Track oft nach zwei oder drei Runden abgenommen, wenn vorher klar ist, wo er hinsoll.
Sollte ich als Producer unbegrenzte Revisionen anbieten?
Das hängt weniger von der Zahl ab als von der Vorbereitung. Wer vor der ersten Version gemeinsam mit dem Artist Richtung und Referenzen festlegt, kommt meist ohne feste Grenze aus, während eine feste Zahl im Angebot eher dort Sinn ergibt, wo man viele unbekannte Kunden hat.
Warum brauchen manche Projekte so viele Revisionsrunden?
Meist wurde vorab nicht klar definiert, was der Kunde haben will, oder der Kunde war sich selbst noch nicht einig. Besonders bei Artists am Anfang hilft es, vor dem Start Referenzmixe oder Arrangements zu verlangen.
Ist ein neues Instrumental nach der Abnahme noch eine Revision?
Nein, ein neues Instrumental nach der Abnahme ist eher ein neuer Auftrag. Eine Revision verbessert die vereinbarte Version, ein anderes Instrumental ist eine neue Idee.
Wie bekomme ich präziseres Feedback von Artists?
Am besten sammelt man Feedback direkt an der jeweiligen Stelle im Track statt in Messenger-Chats. Wenn Kommentare an einem Zeitpunkt in der Wellenform hängen, werden sie konkreter und der Producer muss nicht raten, was gemeint ist.


